Schüler- und Jugend-Kompetenztraining
Der Druck zu selbstverantwortlicher Lebensgestaltung nimmt bei den Jugendlichen immer mehr zu. Das Bewusstsein für Gefährdungen und das Gefühl, diesen Gefährdungen relativ machtlos gegenüber zu stehen und die Freiheit der modernen Jugendgeneration sind der Nährboden für jugendliche Subkulturen.
Subkulturen greifen Sinn- und Wertemängel einer Gesellschaft auf und wollen diese vorhandenen oder nur vorgegebenen Lücken durch eine eigenes Sinn- und Wertesystem schließen.
Defizite im jugendlichen Lebensgefühl können wie folgt wiedergegeben werden:
- leben ohne echte Gemeinschaft
- leben im „toten Herzen“ der Stadt - in einer parallelen Wirklichkeit und in Erlebnisarmut
leben im Angesicht gefährdeter Hoffnungen- die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war
- leben ohne wissenschaftliches oder logisches Weltbild ohne Fortschrittsglauben
Noch nie verfügte eine Generation über so ausreichende materielle Güter, besaß mehr Wissen oder Technik, noch nie gab es solchen Optionen. Dennoch steht ein großer Teil der Jugendlichen dieser Welt eher verloren gegenüber, sieht die persönliche Zukunft zwar optimistisch, die öffentliche jedoch eher pessimistisch. Diejenigen, die von der Welt enttäuscht wurden, ziehen sich nach innen zurück. Neoromantik hat dadurch in jugendlichen Subkulturen Hochkonjunktur. Dahinter steckt das Verlangen, diese komplizierte Welt zu vereinfachen und ein Vorbild zu finden, der einem den Weg zeigt.
Zum anderen erleben wir gerade eine Welle der Gewalt unter Jugendlichen:
- Gewalt gegen Ausländer in Deutschland durch rechtslastige Aggressoren
- Gewalt in den französischen Vorstädten durch Jugendliche ohne Zukunftsperspektive
- Gewalt durch englische Hooligans auf den Fußballplätzen
Gemeinsame Gewalt stiftet Identität,
zeigt klare Feindbilder auf und ist medienwirksam. Jugendliche Subkulturen ermöglichen den Jugendlichen einen Notausgang aus einer für sie schier unerträglichen Gesellschaft, die sich oftmals als Sackgasse entpuppt:
- in der Drogenszene wird Betäubung und das chemische Nirwana gesucht
- politische Subkulturen recht und linker Provokateure erleichtern die Be- und Verurteilung der Welt
- in neuen Kulten und alten Sekten wird die religiöse Ekstase geprobt
- die Selbsterfahrung wird der Welterfahrung vorgezogen und die Selbstsuche führt zur Vergötterung des Selbst
Hier bekommt die Erlebnispädagogik im
Spektrum der Methoden außerschulischer Bildungsarbeit zusammen mit anderen handlungsorientierten Ansätzen einen besonderen Wert. Das, was Jugendliche häufig suchen Action und Abenteuer, Verwilderung und Verwegenheit, Einsamkeit und Gemeinsamkeit, Geborgenheit und Ausgesetztsein -, ist in der erlebnispädagogischen Aktion häufig enthalten, nicht als deren Ziel, sondern als deren Bestandteil. Über gemeinsames Handeln könnte man dann zum Reden kommen und über das Reden zu neuen Strategien und neuen Lebensentwürfen.

